In dieser Woche beginnen die Abschlussprüfungen an den bayerischen Realschulen. Schon zum zweiten Mal gehen Zehntklässler unter Corona-Bedingungen an den Start. Sebastian Hafner, Schüler der 10 c, ist einer von ihnen. Trotz der Widrigkeiten rund um die Pandemie zieht er ein positives Fazit am Ende seiner Schulzeit.

Schon seit einigen Wochen sind die bayerischen Abschlussschüler in den Präsenzunterricht ihrer Schulen eingebunden. Zu Beginn der Woche steht für die Realschüler der Speakingtest im Fach Englisch auf dem Prüfungsplan. In der ersten Julihälfte gibt´s dann die großen schriftlichen Leistungserhebungen im finalen Prüfungscountdown. Danach haben die meisten Jugendlichen sechs Wochen Pause, bevor im Herbst ein neuer Lebensabschnitt beginnt.
Neuer Lebensabschnitt? Das ist für Sebastian der Beginn seiner Ausbildung als Mechatroniker bei der Firma Rosenberger in Fridolfing. Auf der schuleigenen Berufsmesse er zum ersten Mal mit dem Unternehmen für Hochfrequenztechnik und Maschinenbau aus der Region in Kontakt gekommen. Mehrere Praktika, auch bei anderen Firmen, hätten ihn letztendlich überzeugt – und anscheinend auch den kommenden Arbeitgeber. Denn der sicherte sich die Dienste seiner künftigen Arbeitskraft ad hoc.
Entsprechend gelassen geht der 15-Jährige in die Endphase seiner Schullaufbahn. Nicht jeder Schüler kann dieser Tage beruhigt nach vorne blicken. Die Ausbildungssituation in der heimischen Region ist zwar nach wie vor entspannt, die meisten können sich auf ihre Lehrstellenzusagen verlassen. Aber eine feste Garantie gibt´s nicht.
„Auch wenn wir in den letzten Wochen komplett in der Schule waren, war unser letztes Schuljahr ein außergewöhnliches“, erzählt der Zehntklässler. Keine Abschlussfahrt, kein Wandertag, kein Tanzkurs, keine Sportveranstaltungen, keine Schulmannschaft, das, was Schule belebt und sie lebendig gestaltet, habe heuer gefehlt.
Zuerst sei der Aufschrei groß gewesen, als es hieß, dass die Abschlussfahrt nicht stattfinden könne. „Damit wollte sich niemand von uns Schülern abfinden,“ so der Abschlussschüler. Schließlich erlebe man so etwas ja nur einmal im Leben. „Mittlerweile haben wir uns an die Umstände und Einschränkungen durch die Pandemie gewöhnt,“ so Sebastian. Man fände sich ein, lehne sich nicht mehr dagegen auf und konzentriere sich auf das, was ansteht: die Prüfungen.
Sebastian zieht ein sehr nüchternes Fazit und blickt gelassen nach vorn. Anfänglich habe es Probleme mit dem Homeschooling gegeben, aber die habe die Schule schnell abstellen können. Dann lief alles reibungslos. Vor allem die strengen Kontrollen bei der digitalen Erstellung der Aufgaben seien für den Lernerfolg immens wichtig gewesen.
Er glaube nicht, dass Wissenslücken entstanden seien. Sebastian gehört zu den Schülern, die mit einem überdurchschnittlichen Notenbild auf die Realschule kamen. Er ist ein leidenschaftlicher Fußballer und Spieler der Bayernauswahl. Er weiß, dass er auch nach der Berufsausbildung sein berufliches Fortkommen voranbringen und sich weiterbilden werde.
Ein Schüler, der mit Charakter, Gelassenheit, den entsprechenden kognitiven Fähigkeiten und einem breiten Fundus an wichtigen Sekundärtugenden im Berufsleben seinen Mann stehen wird – und auch in Coronazeiten wohlwollend auf seine Realschulzeit zurückblickt. Ein Musterschüler? Keineswegs! Ein ganz normaler Junge.

Johannes Vesper

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